Kopfsteinpflaster-Anstieg in Flandern, steile Pavé-Rampe — Paris-Roubaix Weekend mit Van Rysel und Gruppetto Hamburg

Van Rysel × Gruppetto Hamburg · April 2026

L'Enfer du Nord

Vier Tage auf dem Pavé

Jasper Korth · April 2026 · Flandern & Nordfrankreich

2× Sony α7 III · Sigma 24–70 mm f/2.8 · Sony 200–600 mm G

Van Rysel × Gruppetto Hamburg · Paris–Roubaix 2026

4Tage 170 kmGravel-Ride 30Sektoren 1Monument

Vier Tage Nordfrankreich. Von Oudenaarde über den Kwaremont nach Lille. Ins Van-Rysel-Headquarter, auf alle 30 Pavé-Sektoren — und am Sonntag ans Carrefour de l'Arbre.

Mein Auftrag: das Wochenende für das Gruppetto Hamburg contentmäßig zu begleiten. Die ganze Story in den Instagram-Story-Highlights bei @gruppetto.hamburg.

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Abflug nach Flandern

Donnerstag, 4:30 Uhr.

Der Wecker klingelt. In zwei Stunden geht der Flieger. Ziel: Oudenaarde, Belgien. Das Herz der Flandernrundfahrt.

Bevor wir aufs Rad steigen, ein kurzer Stopp im Museum der Flandernrundfahrt. Alte Trikots, alte Räder, alte Helme — alles konserviert. Man lernt hier die Entstehungsgeschichte des Monuments.

Wand mit Dutzenden historischen Radsport-Trikots im Museum der Flandernrundfahrt
Sechs eingerahmte historische Trikots von Saxo Bank, C&A, Mapei, Bora, Jumbo-Visma vor gelber Wand
Historische Ausstellung im Centrum Ronde van Vlaanderen
Rückenlehne eines Holzstuhls mit Autogramm von Remco Evenepoel in schwarzem Marker

Von dort aus geht es mit dem Rad über den Kwaremont, den Paterberg, den Koppenberg und den Carrefour de l'Arbre nach Lille ins Hotel.

Warum Lille? In Flandern nennt man die Stadt „Rijsel". Kommt einem bekannt vor? „Van Rysel" heißt übersetzt „aus Rijsel" — also „aus Lille". Und genau dort, in Lille, sitzt das Headquarter jener Fahrradmarke, die uns das Wochenende zu sich eingeladen hat.

Van Rysel. Aus Rijsel. Aus Lille.

Von dort aus ist es nur ein Katzensprung zur Strecke von Paris–Roubaix. Dem Monument aller Monumente.

Die Berge von Flandern

Kwaremont. Paterberg. Koppenberg.

Donnerstag, nachmittags. Eine lange Fahrt über die Berge von Flandern. Teils über 20 % Steigung — auf Kopfsteinpflaster.

Hier muss man sich bei der Flandern Rundfahrt so dermaßen in die Fresse hauen und über Kreuz gucken können, um das zu überleben.

Fünf Gruppetto-Fahrer rollen auf einer flandrischen Landstraße von hinten davon

Der Trikot-Drop: Das neue Road-Captains-Trikot. Dieses Jahr exklusiv für das Team — nächstes Jahr für alle zu haben.

Jemand hält das neue violett-schwarze Road-Captains-Trikot von Gruppetto × Van Rysel vor einem gelben Tisch hoch
Reaktion auf den Trikot-Drop: vier lachende Gesichter am Café-Tisch unter dem gelben Van-Rysel-Schirm in Lille
Fahrer im violetten Gruppetto × Van Rysel Trikot — Detail-Portrait
Zwei Road Captains im neuen Trikot vor einer Backsteinwand
Zwei Road Captains im neuen Trikot, lachen in die Kamera

Nach den Bergen in Flandern konnten wir uns kurz erholen auf flacher, asphaltierter Strecke, ehe wir auf die Sektoren trafen.

Die Pavés in Roubaix sind unbeschreiblich hart. Kein TV-Bild, kein Foto der Welt wird dem gerecht, wie schrecklich diese Abschnitte sind. Der ganze Körper vibriert und wird so durchgeschüttelt, dass man am Ende eines Sektors gar nicht weiß, was am meisten wehtut.

Fahrer im Gruppetto-Trikot auf einer flandrischen Straße
Ride-Szene zwischen Feldern in Flandern
Unterwegs auf der Route über die flandrischen Hügel

Und doch macht es auf sadistische Weise Spaß, hier mit Vollgas und Augen zu rüberzufliegen.

Gruppetto-Fahrer auf einem Pavé-Abschnitt

Die Hände und Füße kribbeln, selbst noch abends im Hotelzimmer.

Abendstimmung nach dem Ride, flandrische Landschaft
Hotel-Abend in Lille nach der Fahrt über die Berge
Die Hölle des Nordens hat bereits erste Spuren hinterlassen.

B'Twin Village

Das Hauptquartier.

Van-Rysel-Tor mit einem Skoda-Teamfahrzeug auf Pavé-Kopfsteinpflaster am Eingang des HQ

Freitag. Wir sind im B'Twin Village von Decathlon Van Rysel — das HQ von allem, was mit Fahrrad zu tun hat.

Exklusive Einblicke in die neuen Prototypen fürs nächste Jahr. Veröffentlichen dürfen wir hier nichts. Aber eines sei gesagt: es wird verdammt schnell nächstes Jahr.

Innenansicht des B'Twin Village Decathlon-Van-Rysel-Hauptquartiers
Fatigue-Test-Labor mit Komponenten unter Belastungsprüfung

Das HQ ist so unfassbar riesig, dass den Mitarbeitenden Kickroller zur Verfügung gestellt werden, um von A nach B zu kommen.

Neben den Prototypen durften wir uns auch das Fatigue Test Labor anschauen, in dem die Komponenten einem Stresstest unterzogen werden. Das ist bitter nötig, wenn das Material auf den Pavés bestehen soll.

Am Nachmittag ein kleiner Recon Ride. Danach Kaffee und Cookies beim Van Rysel Pop-up-Café an Sektor 8, Moulin.

Zwei Van-Rysel-Gravelbikes an einem metallenen Absperrgitter mit DÉPART-Schild am Sektor Moulin
Noch ein letztes Mal Pavé kosten.

Morgen fahren wir selbst. 170 Kilometer. Alle 30 Sektoren.

170 Kilometer

170 Kilometer. 30 Sektoren.

Samstag. Dieses Kopfsteinpflaster ist unerbittlich. Ich selbst hatte 45-mm-Reifen dabei mit meinem Gravelbike. Und selbst darauf hat's mich komplett durchgeschüttelt — meine Ellenbogen sind nur durch die Erschütterung geschwollen und blau angelaufen.

Bei Kilometer 90 musste ich die Jungs durch Magenkrämpfe ziehen lassen. Die letzte Hälfte etwas abgekürzt, ein paar Sektoren ausgelassen.

Nahaufnahme des Kopfsteinpflasters in Schwarz-Weiß

Den Arenberg allerdings haben wir mitgenommen.

Wie man hier mit 50 km/h durchfahren kann, ist mir ein Rätsel. Der Sektor war so voll mit Menschen, dass wir nur 20 km/h fahren konnten. Hierbei hat es einen so dermaßen durchgeschüttelt, dass man dachte, gleich zerbricht das Fahrrad unter einem.

Wir haben es alle ohne Defekt rausgeschafft. Nur bei Phil ist die Kette zwei Mal runtergeflogen. Bei dem Sektor wieder in die Pedale einzuklicken und Tempo aufzubauen, ist nahezu unmöglich.

Strecken-Atmosphäre am Pavé während des 170-km-Rides

Nachdem ich die Jungs hab ziehen lassen, habe ich sie drei Stunden später im Stadion wiedergetroffen.

Alle fünf waren gezeichnet vom Tag. Ihre Gesichter waren staubverschmiert. Die Hände waren blasig, die Beine am Krampfen.

Fünf Gruppetto-Fahrer posieren im Roubaix-Velodrom mit Medaillen nach dem 170-Kilometer-Ritt
Aber: auf jedem Gesicht stand ein breites Grinsen.

Samstagabend, Lille. Erste Biere nach der Fahrt.

Konstantin mit pinker Cap trinkt Bier in einer Bar in Lille nach dem 170-km-Ride
Einfahrt zum Carrefour de l'Arbre — der letzte 5-Sterne-Sektor vor dem Ziel

Sonntag

Sonntag. Renntag.

Am Sonntag ging es an die Strecke. Wir stellten uns beim Carrefour de l'Arbre hin — der letzte 5-Sterne-Sektor vor dem Ziel.

Gebannt schauten wir über drei Handys das Rennen. Das Netz brach immer wieder zusammen. Wir hatten kaum Empfang.

Alte L'Equipe-Zeitungen mit Original-Unterschriften von Roubaix-Legenden am Streckenrand
Jan-Ullrich-Ultras-Fahne in Deutschlandfarben gegen blauen Himmel

Mit der Zeit versammelten sich tausende Menschen am Streckenrand. Eine Stunde vor dem Rennen war an unserer Stelle kein freier Spot mehr zu erkennen.

Eine ewig lange Kette aus Menschen. Dazwischen das härteste Kopfsteinpflaster der Welt.
Chaos am Carrefour de l'Arbre: Zuschauer, Teamfahrzeug und Hubschrauber in einem Moment
Weitwinkelaufnahme des Pavé mit Fahrern am Carrefour de l'Arbre
Tadej Pogacar und Wout van Aert auf dem Carrefour de l'Arbre
Mathieu van der Poel auf dem Pavé
Visma-Fahrer auf dem Pavé, im Hintergrund ein brennender Bengalo
Rennfahrer im Staub am Carrefour de l'Arbre
Szene vom Paris-Roubaix-Rennen 2026 am Carrefour de l'Arbre

Was dann passierte — das Rennen selbst — habe ich separat aufgeschrieben.

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Queen of the Monuments
Paris–Roubaix 2026 · jasperkorthfotografie.de/roubaix/

Fazit

Das Pavé hat uns gezeichnet.

Die Fahrer und Fahrerinnen, die dieses Rennen bestreiten, verdienen unseren größten Respekt.

Hier wird einem kein einziger Kilometer geschenkt. Man muss für jeden Meter hart arbeiten.

Alle gehen durch die Hölle. Und die Sieger kommen ins Paradies.

Danke an Van Rysel — dass ihr dieses Wochenende möglich gemacht habt, ist nicht selbstverständlich.

Und danke an das Gruppetto Hamburg. Tolle Tage mit euch. Dass mir dieser Job anvertraut wurde, bedeutet mir viel.